Hermann Hesse – Siddharta
Die ersten Sätze: Im Schatten des Hauses, in der Sonne des Flussufers bei den Booten, im Schatten des Salwaldes, im Schatten des Feigenbaumes wuchs Siddharta auf, der schöne Sohn des Brahmanen, der junge Falke, zusammen mit Govinda, seinem Freunde, dem Brahmanensohn. Sonne bräunte seine lichten Schultern am Flussufer, beim Bade, bei den heiligen Waschungen, bei den heiligen Opfern. Schatten floss in seine schwarzen Augen im Mangohain, bei den Knabenspielen, beim Gesang der Mutter, bei den heiligen Opfern, bei den Lehren seines Vaters, des Gelehrten, beim Gespräch der Weisen.
Die letzten Worte: …was jemals in seinem Leben ihm wert und heilig gewesen war.
Inhalt: Die fiktive Erzählung über das Leben Buddhas, Siddharta mit Namen, zeigt den Weg eines jungen Menschen auf dem Weg zur Erkenntnis. Der Weg zu dieser ist wahrhaft nicht immer leicht und birgt eine Menge an wichtigen Erfahrungen. Zusammen mit seinem besten Freund Govinda schließt sich Siddharta den Samanen an und verlässt sein Dorf, um in die große Welt zu gelangen. Diese Erzählung berichtet von Siddhartas Eindrücken und beschreibt den Prozess seiner geistigen und körperlichen Reifung…
Reingelesen:
- Er ging den Weg der Entselbstung durch den Schmerz, durch das freiwillige Erleiden und Überwinden des Schmerzes, des Hungers, des Durstes, der Müdigkeit. Er ging den Weg der Entselbstung durch Meditation, durch das Leerdenken des Sinnes in allen Vorstellungen. Diese und andere Wege lernte er gehen, tausendmal verließ er sein Ich, stundenlang und tagelang verharrte er im Nicht-Ich. Aber ob auch die Wege vom Ich hinwegführten, ihr Ende führte doch immer zum Ich zurück. (S.17)
- „Du bist gelehrig, Siddharta, so lerne auch dies: Liebe kann man erbetteln, erkaufen, geschenkt bekommen, auf der Gasse finden, aber rauben kann man sie nicht.“ (S.49)
- „Viele Jahre musste ich damit hinbringen, den Geist zu verlieren, das Denken wieder zu verlernen, die Einheit zu vergessen. Ist es nicht so, als sei ich langsam und auf großen Umwegen aus einem Mann ein Kind geworden, aus einem Denker ein Kindermensch? Und doch ist dieser Weg sehr gut gewesen, und doch ist der Vogel in meiner Brust nicht gestorben.“ (S.79)
- „Es ist gut“, dachte er, „alles selber zu kosten, was man zu wissen nötig hat.“ (S.81)
Ausgelesen: In einer unglaublich bildhaften, kunstvollen und rhetorischen Sprache wird hier die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der sich später zu einer großen religiösen Leitfigur entwickeln sollte. Eingebettet in eine märchenhafte Erzählung finden sich zahlreiche Weisheiten, philosophische Ansätze und Ideen, die auch den Leser selbst etwas angehen können. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen – einfach lesen!
Zum Autor: Hermann Hesse (1877-1962) ist wohl der meist gelesenste europäische Autor des 20. Jahrhunderts und erhielt 1946 den Nobelpreis für Literatur. Neben seinen Romanen sind auch seine zahlreichen Gedichte sehr bekannt und veranlassten jünst im Jahr 2006 die Produzenten Richard Schönherz und Angelica Fleer unter der Mitarbeit von Prominenten und Schauspielern, eine Auswahl seiner lyrischen Texte im „Hesse-Projekt“ zu vertonen.
Erhältlich im suhrkamp-Verlag, 121 Seiten, ca 7,- €


[...] Eine Rezension anderer Art [...]
Siddhartha: Eine indische Dichtung - Rezension in Zitaten « Bibliophilie - Bücherliebhaberei, die schrieb dies am 22. August 2008 um 20:06 |
Würde mir die Frage nach den 10 Büchern und der Insel gestellt, würde der „Siddharta“ mich ganz sicher begleiten. Danke auch für den Link zum „Hesse-Projekt“