Jonathan Safran Foer – Alles ist erleuchtet

Die ersten Sätze: Mein gesetzlicher Name ist Alexander Perchow. Aber alle meine Freunde nennen mich Alex, weil das eine Version meines gesetzlichen Namens ist, die man lässiger sprechen kann. Mutter nennt mich „Alexi-nerv-mich-nicht“, weil ich sie immer nerve. Wenn Sie wissen wollen, warum ich sie immer nerve: Das liegt daran, dass ich immer mit Freunden woanders bin und so viel Geld verbreite und so viele andere Dinge ausführe, die eine Mutter nerven. Vater hat mich immer Schapka genannt, wegen der Pelzmütze, die ich sogar im Sommermonat getragen habe.
Die letzten Worte: …die Tür im Dunkeln öffnen, und ich werde
Inhalt: Alex und sein Großvater, die beide in der Ukraine leben, haben die Aufgabe, einen jungen Amerikaner zu begleiten, der in der Ukraine auf der Suche nach der Vergangenheit seiner Familie ist. Alex soll in Englisch und Ukrainisch übersetzen und dem Amerikaner, der Jonathan Safran Foer heißt, zur Hand gehen. Begleitet wird Alex von seinem Großvater, der den Wagen fahren soll und der kleinen Hündin Sammy David jr. jr. Jonathan weiß von einer Frau namens Augustine, die damals im Holocaust seinem Großvater das Leben rettete und somit auch Jonathans Leben möglich machte. Jonathan will sich nun auf Spurensuche begeben, vor allem will er das jüdische Schtetl Trachimbrod finden, in dem die ganze Geschichte seiner Familie ihren Anlauf nahm. Gemeinsam mit Alex, der mehr schlecht als recht Englisch sprechen kann, dem Großvater, dem Hund und einem klapprigen Wagen machen sich die vier auf eine Reise in die Vergangenheit.
Die Geschichte wird dabei aber auf eine besondere Art erzählt: rückblickend tragen Jonathan und Alex ihre Erlebnisse aus diesem unvergesslichen Roadmovie zusammen. Während Alex in Briefen an Jonathan die jeweiligen Kapitel bespricht und die Ereignisse in der Ukraine aufschreibt, schildert Jonathan auf seine ganz eigene Art und Weise die Geschichte des jüdischen Schtetls Trachimbrod, in dem die Bewohner allerlei seltsame Gewohnheiten pflegen, der Rabbi jeden Satz mit „UND“ beginnt, die Synagoge auf Rädern beweget werden kann und ein traditonelles Fest alljährlich das Schtetl auf den Kopf stellt.
Reingelesen:
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Die Zwillinge versteckten sich wie Geister unter dem Tallith ihres Vaters. Das in den versunkenen Nachthimmel gehüllte Pferd auf dem Grund des Flusses schloss die müden Augen. Die prähistorische Ameise in Jankels Ring, die schon lange bevor die erste Planke von Noah festgehämmert worden war, reglos im honigfarbenen Bernstein gelegen hatte, verbarg schamvoll den Kopf zwischen ihren vielen Beinen. (S.27)
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Es waren eigentlich keine Arbeiter, sondern örtliche Schauspieler, die bezahlt wurden, damit sie wie Arbeiter aussahen, auf den Planken des Gerüstes umhergingen, überflüssige Nägel in überflüssige Wände schlugen, diese Nägel wieder herauszogen und sich prüfend über Pläne beugten. (Diese Pläne wurden übrigens auch in Pläne eingezeichnet, und darauf waren Pläne zu sehen, auf denen man Pläne erkennen konnte, die ihrerseits Pläne enthielten…) (S.231)
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Sie lachten beide. Ein nervöses Lachen. Es begann als leises Kichern. Addiert. Lauteres Lachen. Multipliziert. Noch lauter. Potenziert. Lachen, unterbrochen von Keuchen. Haltloses Lachen. Lachkrampf. Unendlich. (S.323)
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Die zu ihm beteten, glaubten immer weniger an den Gott, den sie selbst erschaffen hatten, und immer mehr an sich selbst. Die unverheirateten Frauen küssten die eingedellten Lippen der Sonnenuhr, doch ihr Glaube galt nicht ihrem Gott, sondern dem Kuss: Sie küssten sich selbst. Und wenn die Bräutigame vor ihm knieten, dann glaubten sie nicht an den Gott, sondern an das Knien, nicht an die bronzierten Knie des Gottes, sondern an ihre eigenen schmerzenden Knie. (S.201)
Ausgelesen: Auf eine ganz andere, oft ziemlich verrückte und witzige Weise wird hier die Geschichte eines jungen Amerikaners erzählt, der sich auf die Suche nach der Wurzeln seiner Familie macht und dabei auch wissen will, was mit seinen Vorfahren während des Holocaust geschehen ist. Verwoben damit ist die Persönlichkeit des ukrainischen Dolmetschers Alex, der von einem Leben im großen Amerika träumt und sich von seiner Familie lösen will. Mithilfe der Intertextualität von Trachimbrods fabulös erzählter Geschichte, Alex’ Schilderungen und seinen Briefen an Jonathan erschafft der Autor Foer ein genial komisches und zugleich sehr ernstes und tiefgründiges Roadmovie, das geschickt mit den beiden großen Themen Charakterfindung und Vergangenheitsbewältigung zu jonglieren weiß und sich dabei auch nicht scheut, die kleinen Besonderheiten einer jüdischen Dorfbevölkerung mit einem Augenzwinkern zu karikieren.
Autor: „Alles ist erleuchtet“ war Jonathan Safran Foers (*1977) Erstlingswerk und verhalf ihm zum Durchbruch. Für diesen Roman erhielt Foer weiterhin einige Preise, Kritiker priesen sein Buch als „bestes Buch des Jahres“. „Alles ist erleuchtet“ wurde mittlerweile in 20 Sprachen übersetzt und mit Elijah Wood in der Hauptrolle unter der Regie von Liev Schreiber verfilmt.
Fischer Taschenbuch Verlag, 383 Seiten, ca. 10,- €

alles ist erleuchtet. Ich bitte um Erklärung des Titels „alles ist erleuchtet“
Danke und
mit freundlichem Gruß
M. Hembach