Khaled Hosseini – Drachenläufer

Die ersten Sätze: An einem eiskalten bedeckten Wintertag des Jahres 1975 wurde ich – im Alter von zwölf Jahren – zu dem, der ich heute bin. Ich erinnere mich noch genau an den Moment: Ich hockte hinter einer bröckelnden Lehmmauer und spähte in die Gasse in der Nähe des zugefrorenen Bachs. Viel Zeit ist inzwischen vergangen, aber das, was man über die Vergangenheit sagt, dass man sie begraben kann, stimmt nicht. So viel weiß ich nun. Die Vergangenheit wühlt sich mit ihren Krallen immer wieder hervor.
Die letzten Worte: …breiter als das Panjshir-Tal. Ich rannte.
Inhalt: Amir, einst in Afghanistan aufgewachsen, lebt mittlerweile in Amerika. Vor Jahren verband ihn in seiner Kindheit eine innige Freundschaft mit Hassan. Hassan war der Sohn des Dieners im Haus von Amirs Familie, doch trotzdem waren die beiden Jungen ständig zusammen, auch wenn Hassan und sein Vater zu einer ethnischen Minderheit Afghanistans gehörten. Am liebsten nahmen sie an den Wettbewerben im Drachensteigen teil, die ganz Kabul im Atem hielten. Doch die Freundschaft zerbricht jählings, als an dem kleinen Hassan ein schreckliches Verbrechen verübt wird und Amir hilflos dabei zusehen muss. Wenig später fallen die Russen in Afghanistan ein und Amir und sein Vater fliehen. Sie landen schließlich in Amerika und gründen sich dort eine neue Existenz. Doch dann holt Amir die Vergangenheit ein und er kehrt nach Kabul zurück – und trifft vor Ort auf ein schreckliches, ganz anderes Afghanistan, als er es aus seinen Jugendtagen kennt.
Reingelesen:
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Ich war so stolz auf Baba, auf uns beide. Doch trotz Babas Erfolgen zweifelten die Leute immer an ihm. Sie erklärten ihm, dass es ihm nicht im Blut liege, ein Geschäft zu führen, er solle lieber Jura studieren wie sein Vater. Also bewies Baba ihnen, dass sie Unrecht hatten, indem er nicht nur sein eigenes Geschäft leitete, sondern überdies einer der reichsten Händler Kabuls wurde. (S. 22)
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Ich begann die Schnur meines Drachens einzuholen, als die ersten Leute auf mich zueilten, um mir zu gratulieren. Ich schüttelte Hände und bedankte mich. Die jüngeren Kinder blickten mich mit einem ehrfurchtsvollen Glitzern in den Augen an. Ich war ein Held. (S. 75)
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Rahim Khan lachte. „Kinder sind doch nicht wie Malbücher. Du kannst sie nicht mit deinen Lieblingsfarben ausmalen.“ (S. 29)
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Das Leben ist schließlich kein Hindi-Film. [...] Das Leben geht weiter; unabhängig von Ausgang oder Ende, ungeachtet aller Klippen und Krisen, bewegt es sich langsam voran wie eine Karawane. (S. 363)
Ausgelesen: Ausgehend von einer Freundschaft aus der Kindheit zeichnet Khaled Hosseini anhand von Rückblenden in die Vergangenheit ein eindrucksvolles Bild von dieser uns so fremden Kultur und man darf erleben, wie Afghanistan vor der sowjetischen Invasion war und was sich alles veränderte, als die Taliban die Macht ergriffen. Eine sehr berührende, unglaublich authentische Geschichte über Freundschaft, Krieg und Schuld. Gerade die Schuld, die Amir noch immer an sich sieht, lässt ihn letztendlich in das heutige Afghanistan aufbrechen, um sie zu begleichen. Ein großartiger Roman, der gerade unter der ständigen Präsenz des Themas Afghanistan und Taliban in den öffentlichen Medien eine wichtige Aktualität genießt und trotzdem eine neue Facette der fernöstlichen Welt zu eröffnen vermag.
Autor: Khaled Hosseini (*1965) lebte, wie die Hauptfigur seines Romans, auch als Kind in Afghanistan. Er verarbeitet in diesem Buch auch eigene Eindrücke aus dieser Zeit, in seiner Nachbarschaft gab es beispielsweise einen Jungen, der Hassan sehr ähnlich war. Dass Hosseini sehr viel eigene Gefühle über diese Thematik in den Roman verarbeitet, wird beim Lesen auch sehr deutlich spürbar. Khaled Hosseinis Debütroman wurde weltweit bereits über 7 Millionen Mal verkauft und sehr werkgetreu verfilmt, im Sommer 2007 erschien sein zweiter Roman, „Tausend strahlende Sonnen.“
BvT Berliner Taschenbuchverlag, 385 Seiten, ca 10,50,- €

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