Nick Hornby – A Long Way Down
Die ersten Sätze: Ob ich erklären kann, warum ich von einem Hochhaus springen wollte? Selbstverständlich kann ich erklären, warum ich von einem Hochhaus springen wollte. Ich bin ja kein Vollidiot. Ich kann es erklären, weil es nicht unerklärlich ist: Es war eine logische Entscheidung, das Ergebnis reiflichen Nachdenkens. Wenn auch wieder nicht allzu ernsthaften Nachdenkens.
Die letzten Worte: …aber das musste es wohl, denke ich.
Inhalt: Dass das Dach von Topper’s House beliebt bei Selbstmördern ist, ist allgemein bekannt. Aber dass ausgerechnet in der Silvesternacht gleich vier Menschen auf die Idee kommen, sich umzubringen, ist nun doch ein seltsamer Zufall. Oder doch mehr als bloß ein Zufall? Unterschiedlicher hätten die vier nicht sein können: Maureen, deren Alltag sich einzig und allein um ihren behinderten Sohn Matty dreht und die sich die ganze Zeit fragt, was sie denn falsch gemacht hat, dass Gott sie mit so einer schweren Bürde belegt. Martin, Fernsehmoderator einer Vormittagstalkshow, der in den letzten Wochen von der Boulevardpresse zerissen wurde, weil er mit einer 15jährigen geschlafen hat, Ex-Frau Cindy und Noch-Freundin Penny bringen auch nur Ärger und Probleme. Der Amerikaner JJ, einst begeisterter Musiker und nach der Auflösung seiner Band zum lustlosen Pizzaboten verkommen, kann die Trennung von Band und Freundin Lizzie nur schwer verkraften. Und dann ist da noch die pubertierende Göre Jess, die mit Kraftausdrücken nicht spart und ihren Mitmenschen sehr direkt sagt, was sie von ihnen hält. Die vier kommen ins Gespräch und beschließen schließlich, ihren gemeinsamen Selbstmord zu verschieben und in der verbleibenden Zeit zu überlegen, was noch für und was bereits gegen eine lebenswerte Existenz spricht. Und schon bald merkt jeder auf seine eigene Weise, wie er den anderen drei helfen kann.
Reingelesen:
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[...] man kann sich über jeden lustig machen, der unglücklich ist, man muss nur grausam genug sein. (S.55)
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Noch vor dem Bad habe ich mich auf den Teppichboden übergeben. Na ja, ich sage „Teppichboden“, aber eigentlich übergab ich mich da, wo ein Teppichboden hätte sein müssen, doch er besaß keinen. Was ganz gut war, denn so war es nachher viel einfacher, sauber zu machen. Ich habe viele dieser Sendungen gesehen, in denen sie einem das Haus neu einrichten, und nie verstanden, wieso sie einem immer einreden, die Teppiche wegzuschmeißen, sogar gute, die noch einen schönen dicken Flor haben. Aber jetzt frage ich mich, ob sie zuerst einmal eruieren, ob die Leute, die in dem Haus wohnen, sich häufig übergeben oder nicht. Ich habe festgestellt, dass viele jüngere Leute blanke Fußböden haben, und natürlich übergeben die sich öfter, bei dem vielen Bier und sonstwas, das sie trinken. Und bei den Drogen, die sie heute nehmen, wohl auch, vermute ich. (Muss man sich von Drogen übergeben? Ich würde sagen, ja, oder?) (S. 117 f.)
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Also wie kommen Leute bloß ohne Schimpfworte aus? Wie ist so was möglich? (S. 174)
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Wahrscheinlich wissen Sie auch, dass man, wenn man aus dem Flugzeugfenster blickt und die Welt zusammenschrumpfen sieht, unwillkürlich an sein ganzes Leben denken muss, an alle Menschen, die man je gekannt hat. Und Sie werden wissen, dass man beim Gedanken an all diese Dinge Gott, der sie geschenkt hat, aufrichtig dankbar ist, und böse, weil er Ihnen nicht hilft, sie besser zu verstehen, bis Sie zuletzt ganz durcheinander sind und den Rat eines Geistlichen nötig hätten. Ich nahm mir vor, auf dem Rückflug nicht am Fenster zu sitzen. Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie diese Jetset-Leute, die ein bis zwei Mal im Jahr fliegen müssen, das verkraften. (S. 237)
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Jetzt war die Zeit, zu danken, und nicht, meines Nächsten Weib oder Meerblick zu begehren. (S. 238 )
Ausgelesen: Nick Hornby schildert auf eine eindrucksvolle, lebensnahe und intensive Weise gleich vier Geschichten von Menschen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können und doch eines gemeinsam haben: sie sehen keinen Ausweg mehr. Mit dem Wechsel der Perspektiven von Maureen, Martin, JJ und Jess ändert sich auch die Ansicht der Umwelt, die Meinung vom Leben und die verwendete Sprache. Doch die vier haben die Möglichkeit, sich gegenseitig wieder hoch zu ziehen. Und das versuchen sie auch, jeder auf seine eigene, oft komische Art und Weise. Eindrucksvoller Rpman, der ohne Kitsch zu erklären vermag, warum es sich lohnt, nicht gleich aufzugeben.
Autor: Nick Hornby (*1957) kennt man vor allem seit der Romanverfilmung zu „About a boy“ mit Hugh Grant und Toni Collette. Vor seinen Büchern schrieb er für diverse Zeitungen, heute arbeitet er als Popmusikkritiker bei „The New Yorker“. Zu seinen bekanntesten Werken zählen des Weiteren „High Fidelty“ und „Fever Pitch“, sein neuester Roman „Slam“ erschien vor einigen Wochen hier in Deutschland.
Droemer/Knaur Taschenbuchverlag, 388 Seiten, ca 9,- €

das ist eines der intensivsten bücher, die ich je gelesen habe und hat mich sehr beeinflusst in der wahl der erzählperspektiven beim „Landeplatz der Engel“ …